Ein Lernbeispiel von KopfgerechtWeitere Lerngeschichten
Fotografin EFZ · Berufsfachschule

Licht hat eine Farbe.

Farbtemperatur und Weissabgleich in fünf Stufen, vom ersten Aha bis zum Prüfungswissen. Vorwissen brauchst du keines. Zum Schluss siehst du selbst, wie viel du dazugelernt hast.

1. Kurzer Vorher-CheckSechs Fragen, etwa zwei Minuten. «Weiss ich nicht» ist eine gute Antwort.
2. Fünf StufenJede baut auf der vorherigen auf. Du probierst alles selbst aus.
3. Nachher-CheckGleiche Themen, neue Fragen. Dann siehst du den Vergleich.
Bevor es losgeht

Was weisst du schon?

Beantworte die Fragen spontan, aber rate nicht. Die Auflösung kommt erst ganz am Schluss. Wenn du etwas nicht weisst, wähle «Weiss ich nicht». So wird der Vergleich ehrlich.

Stufe 1 von 5

Dein Auge schummelt. Die Kamera nicht.

Licht ist nie einfach «weiss». Eine Kerze leuchtet orange, der Himmel im Schatten bläulich. Du merkst davon kaum etwas, weil dein Gehirn die Lichtfarbe laufend herausrechnet. Ein weisses Blatt sieht für dich deshalb fast überall weiss aus.

Die Kamera hat dieses Gehirn nicht. Sie hält die echte Lichtfarbe fest. Erst mit dem passenden Weissabgleich rechnet sie die Lichtfarbe heraus. Das lernst du in Stufe 3.

Wähle ein Licht

So meldet es dein Augenach kurzer Gewöhnung
So nimmt es die Kamera aufeingestellt auf Tageslicht, 5500 K

Merke:

Licht hat eine Farbe. Dein Auge gleicht sie aus. Die Kamera braucht dafür den passenden Weissabgleich. Ohne ihn werden Fotos unter warmem Lampenlicht orange und im Schatten bläulich.

Das kannst du jetzt: erklären, warum ein Foto eine andere Farbe hat als das, was du vor Ort gesehen hast.

Stufe 2 von 5

Die Farbe des Lichts hat eine Zahl.

In der Fotografie misst man die Lichtfarbe in Kelvin, abgekürzt K. Du kennst das Prinzip vom Schmied: Ein Stück Eisen glüht beim Erhitzen zuerst dunkelrot, dann orange, dann gelblich-weiss. Weiter kommt Eisen nicht, es schmilzt vorher. Noch heissere Körper wie die Sonne leuchten weiss, sehr heisse Sterne bläulich. Die Kelvin-Zahl sagt, wie heiss ein idealer glühender Körper sein müsste, um in dieser Farbe zu leuchten.

Daraus folgt der Punkt, der fast alle zuerst verwirrt:

Achtung, verkehrte Welt:

Licht, das warm wirkt, hat eine tiefe Kelvin-Zahl. Licht, das kühl wirkt, hat eine hohe. Kerze rund 1900 K, bläulicher Schatten rund 8000 K und mehr.

Schieb die Lichtfarbe

Kamera bleibt auf Tageslicht, 5500 K
Spickzettel: Richtwerte für typische Lichtquellen
LichtquelleFarbtemperaturWirkt

Richtwerte. Die echte Lichtfarbe hängt von Lampe, Wetter, Tageszeit und Umgebung ab. Den genauen Wert misst ein Farbtemperatur-Messgerät.

Kurz üben: Tippe die Lichter von der tiefsten zur höchsten Kelvin-Zahl

Das kannst du jetzt: typische Lichtquellen auf der Kelvin-Skala einordnen und sagen, ob ein Licht warm oder kühl wirkt.

Stufe 3 von 5

Der Weissabgleich sagt der Kamera, welches Licht da ist.

Beim Weissabgleich gibst du der Kamera die Farbe des Lichts an. Sie rechnet dann das Gegenteil hinein, damit Weiss wieder weiss wird. Die Regel ist einfach: Stell den Weissabgleich auf die Kelvin-Zahl des Lichts.

Stellst du eine zu hohe Zahl ein, meint die Kamera, das Licht sei bläulich. Sie gibt Orange dazu, das Bild wird zu warm. Stellst du eine zu tiefe Zahl ein, gibt sie Blau dazu, das Bild wird zu kühl. Profis prüfen das mit einer Graukarte. Jede Farbe im Digitalbild besteht aus drei Zahlen für Rot, Grün und Blau. Sind sie auf der Graukarte gleich gross oder fast gleich, ist das Bild neutral.

Runde 1 von 3: Finde den richtigen Weissabgleich

noch nicht neutral
Die Lichtfarbe ist geheim, bis du triffst.
Graukarte im Bild:

Drei Wege zum richtigen Weissabgleich:

Mit dem automatischen Weissabgleich schätzt die Kamera selbst. Das klappt oft. In einer Bildserie kann die Farbe aber von Bild zu Bild schwanken, etwa wenn sich der Ausschnitt ändert. Bei sehr warmem Licht wie Kerzen oder Glühlampen lässt die Automatik meist einen Teil der Wärme im Bild. Mit einer Voreinstellung oder einer Kelvin-Zahl legst du den Wert fest. Am genauesten ist ein manueller Weissabgleich: Du fotografierst eine Graukarte im gleichen Licht und lässt die Kamera daraus messen.

Fotografierst du im RAW-Format, speichert die Kamera die Rohdaten des Sensors. Den Weissabgleich kannst du dann nachträglich ohne Qualitätsverlust ändern. Ein JPEG ist ein fertig berechnetes Bild. Der Weissabgleich ist eingerechnet, eine Korrektur kostet Qualität.

Das kannst du jetzt: den Weissabgleich passend zum Licht einstellen und an einer Graukarte prüfen, ob das Bild neutral ist.

Stufe 4 von 5

Zwei Lichtfarben in einem Bild.

Im Alltag kommt Licht oft aus mehreren Quellen: Tageslicht vom Fenster und eine Lampe im Raum. Man spricht von Mischlicht. Ein Weissabgleich kann aber nur zu einer Lichtfarbe passen. Stimmt die Fensterseite, ist die Lampenseite orange. Stimmt die Lampenseite, wird die Fensterseite blau.

Die Lösung: Du gleichst die Lichtquellen einander an, bevor du fotografierst. Dafür gibt es Farbfolien. Eine orange CTO-Folie (Color Temperature Orange) macht Licht wärmer. Eine blaue CTB-Folie (Color Temperature Blue) macht es kühler.

Links das Fenster, rechts eine Halogenlampe

Graukarte links:rechts:

Folien schlucken Licht. Eine volle CTO-Folie kostet rund 1 Blende, eine volle CTB-Folie rund 1½ Blenden. Plane das beim Belichten ein. Und manchmal ist Mischlicht gewollt: Warmes Licht innen und kühles Licht draussen erzeugt eine Abendstimmung. Wichtig ist, dass du dich bewusst entscheidest.

Das kannst du jetzt: Mischlicht erkennen und mit einer Folie die Lichtfarben angleichen.

Stufe 5 von 5

Das brauchst du für die Prüfung.

Jetzt kommen die Fachbegriffe. Mit den Stufen 1 bis 4 im Kopf sind sie kein Problem mehr.

Mired: warum Filter nicht in Kelvin rechnen

Eine Folie verschiebt die Lichtfarbe nicht immer um gleich viele Kelvin. Dieselbe CTO-Folie macht aus 10 000 K etwa 3850 K, aus 4000 K aber etwa 2450 K. In Kelvin ist das einmal ein Sprung von rund 6100, einmal von rund 1550. Darum rechnet man in der Fotografie mit Mired:

Mired = 1 000 000 ÷ Kelvin

In Mired verschiebt ein Filter immer um den gleichen Wert. Hersteller geben ihn im Datenblatt und im Musterbuch an. Eine volle CTO-Folie hat rund +159 Mired, eine volle CTB-Folie rund −137 Mired. Plus macht wärmer, minus kühler.

Mired-Rechner

Zwei Regler: Farbtemperatur und Tönung

Die Kelvin-Skala beschreibt nur die Achse von Orange nach Blau. Alle Farben, in denen ein glühender Körper leuchten kann, liegen in einem Farbdiagramm auf einer gebogenen Linie. Fachleute nennen sie den planckschen Kurvenzug. Viele LED- und Leuchtstofflampen liegen etwas daneben und haben einen Grün- oder Magentastich. Dafür gibt es einen zweiten Regler, in Lightroom heisst er «Tönung».

Vereinfachte Darstellung. Der Kelvin-Regler bewegt dich entlang der Linie, der Tönungsregler quer dazu.

Farbwiedergabe: Ra

Die Kelvin-Zahl sagt, welche Farbe das Licht hat. Sie sagt nicht, wie natürlich Farben darunter aussehen. Das misst der Farbwiedergabeindex Ra (englisch CRI), mit 100 als Höchstwert. Glühlampe und Halogen erreichen 100, sie dienen bei der Messung als Vergleich. Bei LED-Licht für die Fotografie gilt ein Ra von mindestens 90 als gut, ab 95 als sehr gut. Einfache Haushalts-LEDs liegen oft bei 80, dem gesetzlichen Minimum in der EU: Hauttöne wirken dann fahl, auch wenn der Weissabgleich stimmt.

Normlicht: D50 und D65

Für die Weiterverarbeitung gibt es genormte Lichtarten. D65 entspricht etwa 6500 K und ist das Weiss, auf das die meisten Bildschirme eingestellt sind (Farbraum sRGB). D50 entspricht etwa 5000 K. Unter diesem Normlicht beurteilt man Drucke und Probedrucke (Proofs), so verlangt es die Norm ISO 3664. Wer ein Bild für den Druck abstimmt, prüft es deshalb unter D50-Licht.

Das kannst du jetzt: mit Mired rechnen, Farbstiche ausserhalb der Kelvin-Achse erkennen und Ra sowie Normlicht erklären.

Geschafft

Und jetzt? Der Nachher-Check.

Die gleichen sechs Themen wie am Anfang, aber neue Situationen. Diesmal siehst du sofort, ob es stimmt.

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